IPZ & IPL Produkt IAVI

Das «interprofessionelle Austrittsplanungs- und Visitentraining mit dem In-HospiTOOL  KSA» (IAVI) wurde auf Grundlage praxisbasierter Fälle, Patient*innen-, Praxisexpert*innen- und Student*innenfokusgruppen sowie anhand einer wissenschaftlichen Recherche entwickelt.

Die Entwicklung des mehrphasigen interprofessionellen Ausbildungselements für Pflegende, Ärzte und Sozialarbeiter fand in enger Lernortkooperation der Höheren Fachschule Gesundheit und Soziales Aarau (HFGS), des Berner Bildungszentrums Pflege (BZP), des Kantonsspitals Aarau (KSA) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) statt.

Die Umsetzung des IAVI Trainings, an dem bislang mehr als 600 Student*innen der Pflege und der Humanmedizin teilgenommen haben, wird von einer wissenschaftlichen Evaluation begleitet.

Entstehungsgeschichte

Das interprofessionelle Forschungsteam des KSA entwickelte das vollständig in das klinische Informationssystem integrierte Patientenmanagement Instrument «In-HospiTOOL » (Koch et al., 2018, S.8 & Kutz et al. 2019). 

In diesem Visitentool, das vom Schweizer Nationalfonds gefördert wird (NFP 74), steht die Austrittsplanung und interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Pflegenden, Ärzten, Sozialarbeitenden und Patienten im Zentrum. Die Erfahrungen in der Entwicklung und Umsetzung dieses Instruments in sieben Spitälern, die Herausforderungen der medizinischen Versorgung in der Schweiz, die Evidenzlage und Forderungen mit interprofessioneller Zusammenarbeit bereits in der Ausbildung zu beginnen und das Erzielen einer verbesserten Patientenversorgung (WHO, 2010; BAG, 2017), waren die Grundlagen für die Entwicklung von IAVI.

Es stellte sich die Frage, wie Mitarbeitende geschult werden und wie Studierende der involvierten Professionen die notwendigen Kompetenzen bereits in der Ausbildung erlernen können. Hieraus resultierte die Entwicklung des interprofessionellen Ausbildungselements für Studierende der Pflege und der Humanmedizin sowie die Lernortkooperation der HFGS, des BZP, des KSA und der ETH Zürich.

„IAVI ist ein sehr wichtiges Projekt zur frühzeitigen Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit bereits im Studium. Die Studierenden der Pflege und der Medizin lernen hier an einem gut erprobten Praxisbeispiel die Wichtigkeit, aber auch die Schwierigkeiten der interprofessionellen Zusammenarbeit. Diesen Eindruck können Sie bis in Ihr Berufsleben mitnehmen.

Der Einbezug des Visitentools ist besonders wertvoll und zeigt den Studierenden auch, wie wichtig die gute und innovative Nutzung von neuen Technologien im Bereich der Patientenversorgung ist.“

Prof. Dr. med. Philipp Schütz, Chefarzt Allgemeine Innere & Notfallmedizin, Kantonsspital Aarau  

Entwicklungsmethodik & Struktur

Die Entwicklung der Ausbildungsinhalte verfolgt den Anspruch einer interprofessionellen, nutzerorientierten, praxisnahen, partizipatorischen und wissenschaftlichen Entwicklung. Um dies einzulösen und um eine theoriebasierte Dominanz der Inhalte zu vermeiden, wurden sie sowohl induktiv als auch deduktiv erarbeitet (Details zur Entwicklungsmethodik finden Sie in diesem Fachartikel). 

Das interprofessionelle Lernarrangement IAVI setzt sich aus mehreren aufeinander aufbauenden Elementen zusammen. Es integriert hierbei moderne und konstruktivistische sowie auf Training und Transfer ausgerichtete Lehr- und Lernmethoden. Die Unterlagen zu den sechs Lernphasen wurden im eKurs IAVI sowohl auf OpenOlat® als auch auf Moodle®, den didaktischen Prinzipien des Blended Learnings folgend, aufbereitet.

Das hybride Lernarrangement IAVI wird interprofessionell weiterentwickelt und umgesetzt.

„Das Austrittsmanagement hat weit reichende Folgen für die Lebensqualität der Betroffenen und der Angehörigen, aber auch für die Versorgungsqualität im ambulanten Bereich und die Kosten des Gesundheitssystems. Diese kritische Schnittstelle bietet sich als Schlüsselstelle für das Lernen an. Dem Projekt IAVI gelingt es dabei, eine einzigartige Brücke zu schlagen: pragmatisch wird das verbreitete In-HospiTOOL  genutzt, um interprofessionelle Kooperation über unterschiedliche Berufe und Qualifikationen hinweg zu üben und zu reflektieren. Entstanden ist ein elegantes Lernarrangement für das Hinführen zum Wahrnehmen und Wertschätzen der Kompetenzen anderer Beteiligter, um gemeinsam besser zu werden.

IAVI ist didaktisch höchst innovativ und eine wirklich gelungene Ergänzung des klinischen Unterrichts“.  

Dr. Beat Sottas, wissenschaftlicher Berater, Forscher und Publizist

IAVI Schulungssoftware & digitale Kompetenzen

Basierend auf der In-HospiTOOL  Studie und dem im KSA implementierten Visitentool sowie realen Patientenfällen, wurde die „IAVI Schulungssoftware“ entwickelt. Hierdurch konnte das Training im 6-phasigen Ausbildungselement barrierefrei, mit praxisbasierten digitalen Tools ergänzt und mit statistischen Analyseelementen erweitert werden.

Die in der Software hinterlegten Daten stehen in Verbindung mit den sechs entwickelten Drehbüchern. Neben dem Visitentool wurden Patientenkurven, ärztliche und pflegerische Berichte und die Teach-Back Methode integriert. Zudem wurden Lösungen für Trainer, sowie Import- und Exportfunktionen von statistischen Daten (zur statistischen Auswertung der getroffenen Austrittsentscheide) integriert.

«Informationen gehen meistens an Schnittstellen im klinischen Alltag verloren. Daher sind wir froh, dass unsere Studierenden der Humanmedizin schon frühzeitig mit anderen Berufsgruppen, insbesondere angehenden Pflegeexpert*innen das mit Hilfe von IAVI trainieren können.» 

Prof. Dr. Jürg Goldhahn, , ETH Zurich, Deputy head Institute of Translational Medicine, Departement Gesundheitswissenschaften und Technologie, ETH Zürich

Wissenschaftliche Evaluation

IAVI wird durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet. Die Evaluation dient der Planungs- und Entscheidunghilfe und hat somit mit der Erarbeitung von Handlungsalternativen zu tun. Sie ist ziel- und zweckorientiert und hat primär das Ziel, Inhalte und Abläufe zu überprüfen, zu verbessern oder über sie zu entscheiden. Die vorliegende Evaluation gilt in erster Linie als Basis für das Sammeln sogenannter Baseline Daten. Das Modell Evaluation of Learning von Kirkpatrick & Kirkpatrick (2006) dient als theoretischer Rahmen für diese Evaluation. 

Um zu untersuchen, ob die Studierenden zunehmend selbst der Überzeugung sind interprofessionell erfolgreich zusammen zu arbeiten, wurden Erhebungen zur Self Efficacy nach jeder Lernphase von 1 bis 4 durchgeführt (Bandura 1988). Zudem werden die Kundenzufriedenheit und die Anzahl korrekter Austrittsentscheide erfasst. Die erreichten Kompetenzen der interprofessionellen Tandems werden von den Trainer*innen anhand von operationalisierten Kriterien (auf internationalen Instrumenten basierend) beurteilt, die in der Software CAE Healthcare eingebettet sind.

«Das IAVI Projekt ist eine hervorragende Initiative um Studierenden der Pflege und Medizin in einem realistischen und didaktisch hochwertigem Lernarrangement   interprofessionelle Kompetenzen zu vermitteln. Die Entlassungsplanung ist eine sehr relevante und entscheidende Aktivität, die unabdingbar ist, um eine effektive und qualitative hochwertige Gesundheitsversorgung über Organisationsgrenzen hinweg sicherzustellen. Hier stellt die gelungene Zusammenarbeit der Gesundheitsprofessionen zusammen mit den Patient*innen einen der entscheidendsten Erfolgsfaktoren dar.

Das geschaffene Setting des IAVI Teams gibt den Studierenden fantastische Möglichkeiten eine interprofessionelle Arbeitssituation problembasiert durchzuführen und über das Lernen und Zusammenarbeiten zu reflektieren. Die aktive Einbeziehung des Patienten in den Entscheidungs- und Lernprozess wird zu einem selbstverständlichen Bestandteil des interprofessionellen Lernens und Zusammenarbeiten der beteiligten Berufsgruppen.

Eine ausgezeichnete Lernaktivität, die in viele andere Bereiche übertragen werden kann und hoffentlich national und international Nachahmung findet.» 

Rene Ballnus, Leiter des Zentrums für klinisches interprofessionelles Lernen und Zusammenarbeiten, Region Stockholm, Schweden.

Mehr Angaben zu IAVI finden Sie in diesem Fachartikel.